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Weihekreuz
Weihekreuz im Innenraum
Der romanische Bau ist in der Mitte des 12. Jahrhunderts entstanden, noch vor der deutschen Besiedelung des Wilsdruffer Landes. Möglicherweise wurde sie als Niederlassung für Mönche des Benediktinerordens gebaut. Etwas entfernt der Jakobikirche bildete sich um 1200 Stadt Wilsdruff mit der Stadtkirche St. Nikolai. Nach der Einführung der Reformation wurde die Jakobikirche nur noch selten genutzt. Sie war Begräbniskirche und enthielt das Erbbegräbnis der Herren von Schönberg, die Stadt und Rittergut jahrhundertelang in ihrem Besitz hatten. 1919 wurde die Kirche in eine Gedenkstätte für die Opfer des Ersten Weltkrieges umgestaltet.


ROMANISCHE MAUERN

Der romanische Baustil ist deutlich zu erkennen: Dicke, ungegliederte Bruchsteinmauern umgeben den Innenraum, der über die schlitzartigen Rundbogenfenster nur wenig Licht erhält. Die Kirche ist als Saalkirche angelegt, sie besteht aus einem geräumigen Kirchenschiff, dem etwas kleineren Chor und der halb kreisförmigen Apsis, wo der Altar steht.
Jakobikirche Altarraum
Innenansicht der Jakobikirche
Die Kirche hatte ursprünglich keinen Turm, der Dachreiter wurde erst 1591 aufgesetzt. Saalkirchen dieser Art wurden im 12. und 13. Jahrhundert als Dorfkirchen, aber auch als Stadt- und Klosterkirchen erbaut. Die Jakobikirche in Wilsdruff ist innerhalb Sachsens die größte romanische Saalkirche, was auf die Bedeutung dieses Ortes hinweist.

Der Kirchenraum war früher ausgemalt. An den Wänden sieht man alte Weihekreuze, die an die hier vollzogene Kirchenweihe erinnern. Im Chor sind Reste einer Ausmalung des 15. Jahrhunderts mit verschiedenen Bildszenen zu erkennen. Diese wertvollen Befunde sollen in den nächsten Jahren restauriert werden. Das Epitaph des Ritters Hans von Schönberg neben dem Altar zeigt, dass die Jakobikirche seit dem 16. Jahrhundert die Bestattungen dieser adligen Familie aufnahm. Die Herrschaftsempore im Chor ist mit Inschriften, Wappen und Bildern aus der Mitte des 17. Jahrhunderts versehen.

"Der größte Schatz der Kirche ist nicht zu sehen, er hängt oben im Turm", so Günther Donath, Dombaumeister des Domes zu Meißen, der seit 1978 die Arbeiten an der Jakobikirche begleitet. Die so genannte Bennoglocke aus dem 13. Jahrhundert gehört zu den ältesten Glocken in Sachsen.
Ritzzeichnung-Bild
Ritzzeichnungen auf der Bennoglocke
Die Glockenwandung ist mit seltsamen Bildszenen bedeckt, die man früher auf den heiligen Bischof Benno von Meißen bezogen hat. Eine skurrile Gestalt, einem Fuchs ähnlich, predigt der christlichen Gemeinde, hier durch Gänse dargestellt. Die Ritzzeichnung sollte vor teuflischen Irrlehren warnen und mit dem Glockenschall das Böse abwehren.
 
 
AUFTANKEN FÜR DIE SEELE

Zerstoerter Dachreiter
Zerstörter Dachreiter
1976 zerstörte ein heftiger Sturm Teile des Dachreiters und der Dachdeckung. Damals schien das Schicksal der Kirche besiegelt zu sein, denn es war vorgesehen, das Dach abzutragen und die Kirche als Ruine verfallen zu lassen.
Durch den Einsatz einiger engagierter Wilsdruffer gelang es aber, die Jakobikirche zu retten. Der geplante Ausbau als Museum und die Innenrestaurierung konnte in den l98OerJahren nicht abgeschlossen werden, die Kirche blieb ungenutzt und war nur selten zugänglich.
Nun zieht neues Leben in die alten Mauern: Die romanische Kirche mit ihrem stimmungsvollen Innenraum ist ein geeigneter Ort, um innezuhalten, zu beten und die Seele auszuruhen. „Auftanken für die Seele heißt das Motto“ unter dem die Stadt Wilsdruff, die „Stiftung Leben und Arbeit“, die Kirchgemeinden und das Landhotel Keils Gut die Jakobikirche als Autobahnkirche zugänglich machen. Die Kirche wird für Ausstellungen, Veranstaltungen und Andachten genutzt.



JAKOBUS UND DIE PILGER

Jakobus der Ältere war einer der Jünger Jesu Christi. Zusammen mit seinem Bruder Johannes und mit Petrus erlebte er die Verklärung Christi und dessen Gefangennahme im Garten Gethsemane in Jerusalem.

Nach Pfingsten verkündete er das Evangelium in Samana und Jerusalem, bis er durch Herodes Agrippa 1., König von Judäa, im Jahre 43 enthauptet wurde. Der Überlieferung nach soll Jakobus das Evangelium auch nach Spanien getragen haben. Die Legende erzählt von der Wiederentdeckung seines Grabes um 800 n. Chr. Über dem Grab des Apostels entstand der Wallfahrtsort Santiago de Compostela, zu dem von überall her Menschen pilgerten. Der Ort in Nordspanien gehört seit dem 11. Jahrhundert zu den größten Wallfahrtszentren des christlichen Abendlandes. Pilgerwege aus allen Gegenden Europas führten dorthin. Nicht zuletzt deswegen wird Jakobus als Schutzpatron der Pilger und Reisenden verehrt. Er wird mit Pilgerstab und Pilgertasche und mit einer Miesmuschel dargestellt. Eine solche Muschel trugen die mittelalterlichen Pilger und Wallfahrer als Pilgerzeichen an der Kleidung oder am Hut.
St.Jakobi-Buch
Buch von Günther Donath

Wir wissen nicht, ob die alten Pilgerwege nach Santiago de Compostela wirklich an der Jakobikirche in Wilsdruff vorbeiführten. Aber für die Menschen, die heute auf den Autobahnen unterwegs sind, kann die Jakobikirche eine Pilgerstation sein: ein Ort der Ruhe und des Innehaltens, ein Ort, um Kraft zu schöpfen, damit die Reise glücklich zu Ende geht.
 
Für weiterführende Informationen, können Sie über die Stiftung auch das Buch "Die St. Jakobikirche in Wilsdruff" von Günther Donath beziehen. Dort finden Sie eine detaillierte wissenschaftliche Aufarbeitung der Themenkomplexe: Geschichte, Baukonstruktion und Nutzung der Kirche und erfahren mehr über die umfangreichen Restaurierungsmaßnahmen.
 
Weiteres Bildmaterial finden Sie in unserer Bildergalerie: Jakobikirche.
 

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