| Historisches zur Jakobikirche | |
Weihekreuz im Innenraum
ROMANISCHE MAUERN Der romanische Baustil ist deutlich zu erkennen: Dicke, ungegliederte Bruchsteinmauern umgeben den Innenraum, der über die schlitzartigen Rundbogenfenster nur wenig Licht erhält. Die Kirche ist als Saalkirche angelegt, sie besteht aus einem geräumigen Kirchenschiff, dem etwas kleineren Chor und der halb kreisförmigen Apsis, wo der Altar steht.
Innenansicht der Jakobikirche
Der Kirchenraum war früher ausgemalt. An den Wänden sieht man alte Weihekreuze, die an die hier vollzogene Kirchenweihe erinnern. Im Chor sind Reste einer Ausmalung des 15. Jahrhunderts mit verschiedenen Bildszenen zu erkennen. Diese wertvollen Befunde sollen in den nächsten Jahren restauriert werden. Das Epitaph des Ritters Hans von Schönberg neben dem Altar zeigt, dass die Jakobikirche seit dem 16. Jahrhundert die Bestattungen dieser adligen Familie aufnahm. Die Herrschaftsempore im Chor ist mit Inschriften, Wappen und Bildern aus der Mitte des 17. Jahrhunderts versehen. "Der größte Schatz der Kirche ist nicht zu sehen, er hängt oben im Turm", so Günther Donath, Dombaumeister des Domes zu Meißen, der seit 1978 die Arbeiten an der Jakobikirche begleitet. Die so genannte Bennoglocke aus dem 13. Jahrhundert gehört zu den ältesten Glocken in Sachsen.
Ritzzeichnungen auf der Bennoglocke
AUFTANKEN FÜR DIE SEELE
Zerstörter Dachreiter
Durch den Einsatz einiger engagierter Wilsdruffer gelang es aber, die Jakobikirche zu retten. Der geplante Ausbau als Museum und die Innenrestaurierung konnte in den l98OerJahren nicht abgeschlossen werden, die Kirche blieb ungenutzt und war nur selten zugänglich. Nun zieht neues Leben in die alten Mauern: Die romanische Kirche mit ihrem stimmungsvollen Innenraum ist ein geeigneter Ort, um innezuhalten, zu beten und die Seele auszuruhen. „Auftanken für die Seele heißt das Motto“ unter dem die Stadt Wilsdruff, die „Stiftung Leben und Arbeit“, die Kirchgemeinden und das Landhotel Keils Gut die Jakobikirche als Autobahnkirche zugänglich machen. Die Kirche wird für Ausstellungen, Veranstaltungen und Andachten genutzt. JAKOBUS UND DIE PILGER Jakobus der Ältere war einer der Jünger Jesu Christi. Zusammen mit seinem Bruder Johannes und mit Petrus erlebte er die Verklärung Christi und dessen Gefangennahme im Garten Gethsemane in Jerusalem. Nach Pfingsten verkündete er das Evangelium in Samana und Jerusalem, bis er durch Herodes Agrippa 1., König von Judäa, im Jahre 43 enthauptet wurde. Der Überlieferung nach soll Jakobus das Evangelium auch nach Spanien getragen haben. Die Legende erzählt von der Wiederentdeckung seines Grabes um 800 n. Chr. Über dem Grab des Apostels entstand der Wallfahrtsort Santiago de Compostela, zu dem von überall her Menschen pilgerten. Der Ort in Nordspanien gehört seit dem 11. Jahrhundert zu den größten Wallfahrtszentren des christlichen Abendlandes. Pilgerwege aus allen Gegenden Europas führten dorthin. Nicht zuletzt deswegen wird Jakobus als Schutzpatron der Pilger und Reisenden verehrt. Er wird mit Pilgerstab und Pilgertasche und mit einer Miesmuschel dargestellt. Eine solche Muschel trugen die mittelalterlichen Pilger und Wallfahrer als Pilgerzeichen an der Kleidung oder am Hut.
Buch von Günther Donath
Wir wissen nicht, ob die alten Pilgerwege nach Santiago de Compostela wirklich an der Jakobikirche in Wilsdruff vorbeiführten. Aber für die Menschen, die heute auf den Autobahnen unterwegs sind, kann die Jakobikirche eine Pilgerstation sein: ein Ort der Ruhe und des Innehaltens, ein Ort, um Kraft zu schöpfen, damit die Reise glücklich zu Ende geht.
Für weiterführende Informationen, können Sie über die Stiftung auch das Buch "Die St. Jakobikirche in Wilsdruff" von Günther Donath beziehen. Dort finden Sie eine detaillierte wissenschaftliche Aufarbeitung der Themenkomplexe: Geschichte, Baukonstruktion und Nutzung der Kirche und erfahren mehr über die umfangreichen Restaurierungsmaßnahmen.
Weiteres Bildmaterial finden Sie in unserer Bildergalerie: Jakobikirche.
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